Mein Weg – warum ich heute
genauer hinschaue
Jahrelang arbeitete ich mit Hunden, die andere als schwierig oder problematisch bezeichneten. Nie wurde ich dabei gebissen. Dann brachte mich ausgerechnet mein eigener Hund an meine Grenze.
Diese Seite ist kein Lebenslauf und keine Leidensgeschichte. Sie erklärt, warum Uelzener Hunde heute so arbeitet, wie es arbeitet – und warum mir genaues Hinschauen wichtiger ist als eine schnelle Erklärung.
Der Moment, der alles verändert hat
Bevor Cobra zu mir kam, hatte ich bereits viele Jahre mit Hunden gearbeitet, die von anderen als schwierig oder kaum trainierbar eingeschätzt wurden. Ich hatte eine eigene Hundeschule geführt – und wurde in dieser gesamten Zeit von keinem einzigen Kundenhund gebissen.
Cobra zog Weihnachten 2021 bei mir ein. Am 22. September 2022 waren wir während eines Trainings allein auf dem Hundeplatz. In dieser Situation biss Cobra mich.
Der Vorfall war mehr als eine körperliche Verletzung. Er erschütterte das Vertrauen zwischen uns – und stellte mein bisheriges fachliches Selbstverständnis infrage. Ausgerechnet der eigene Hund brachte mich an eine Grenze, an die mich all die vermeintlich schwierigen Hunde zuvor nie gebracht hatten.
Ich wusste, dass Cobra kein böser Hund war.
Ich wusste nur nicht, wie ich ihr helfen konnte.
Antworten, die nicht ausreichten
Aus dem Umfeld kamen in dieser Zeit viele Reaktionen – manche besorgt, manche gut gemeint, manche wenig hilfreich. Angst und vorschnelle Ratschläge halfen weder Cobra noch mir weiter.
Auch die ersten tierärztlichen Untersuchungen und Gespräche lieferten keine Erklärung, die das Gesamtbild ausreichend erfasste. Ich wusste zu diesem Zeitpunkt nicht, warum Cobra so reagiert hatte und wie ich ihr helfen konnte.
Trotzdem blieb etwas bestehen, das sich nicht erschüttern ließ: Cobra war kein böser oder grundsätzlich problematischer Hund. Sie hatte ein Problem und brauchte Hilfe – ich wusste zu diesem Zeitpunkt nur noch nicht, welche.
Die Suche beginnt
Weil mir niemand eine ausreichende Erklärung liefern konnte, begann ich selbst zu suchen. Nicht, weil ich von Anfang an wusste, wonach ich suchte – sondern weil ich es herausfinden wollte.
Aus dieser Suche entwickelte sich eine intensive Auseinandersetzung mit möglichen Zusammenhängen zwischen Verhalten, körperlicher Gesundheit, Schmerzen, Ernährung, Histamin, Entzündungen, Verdauung und Darmgesundheit, Stress, dem Nervensystem, individueller Belastbarkeit sowie Umwelt und Lebenssituation.
Das bedeutet nicht, dass jede Verhaltensauffälligkeit körperlich oder ernährungsbedingt ist. Aber körperliche, gesundheitliche oder ernährungsbezogene Faktoren können Verhalten beeinflussen und sollten bei bestimmten Veränderungen oder Auffälligkeiten mitgedacht werden.
Die Jahre dazwischen
In dieselbe Lebensphase fiel auch ein rechtlicher Einschnitt: Meine damalige Hundeschule musste ich 2019 einstellen, weil die erforderliche Erlaubnis nach § 11 Tierschutzgesetz nicht vorlag und meine damaligen Qualifikationen für die Erlaubniserteilung nicht anerkannt wurden.
Unabhängig davon – zeitlich teilweise überschneidend, aber ohne rechtlichen Zusammenhang – erlebte ich in dieser Zeit auch zwei gesundheitliche Einschnitte: im Oktober 2018 einen ersten Bandscheibenvorfall, von dem ich mich etwa eineinhalb Jahre lang erholte, und im Winter 2021 einen zweiten, der mich rund sechs Monate außer Gefecht setzte.
Meine damalige berufliche Tätigkeit war körperlich sehr fordernd und für meinen Rücken zunehmend ungeeignet. Als sich dort ein Inhaberwechsel abzeichnete und lange unklar blieb, wie es weitergehen würde, suchte ich vorsorglich eine sicherere, körperlich besser geeignete Tätigkeit. Seit Oktober 2024 arbeite ich in einer entsprechenden Anstellung.
Dieser Wechsel sichert meinen Lebensunterhalt, schafft eine rückenfreundlichere berufliche Grundlage – und ermöglicht es mir, die umfangreiche Weiterbildung zu finanzieren, die ich für den fachlich und rechtlich abgesicherten Neustart von Uelzener Hunde brauche. Das ist eine erhebliche persönliche Investition.
Die Erfahrung aus meiner früheren Arbeit ist damit nicht verworfen. Vieles, was sich bewährt hat, bleibt Grundlage – ergänzt um das, was ich seither über Gesundheit, Ernährung und Zusammenhänge gelernt habe. Mehrere frühere Kundinnen und Kunden haben mir bereits gesagt, dass sie nach dem Neustart wieder mit mir arbeiten möchten.
Was daraus entstand
Die Suche nach den Ursachen bei Cobra prägt bis heute zwei Projekte. Histohund legt den Schwerpunkt auf Ernährung, Histamin und körperliche Zusammenhänge. Uelzener Hunde überträgt die daraus entstandene Haltung auf die umfassendere Betrachtung von Verhalten und die Beziehung zwischen Mensch und Hund.
Wie ich heute arbeite
Aus dieser Geschichte sind Grundsätze entstanden, die meine Arbeit bis heute leiten:
- Nicht vorschnell urteilen
- Nicht nur sichtbares Verhalten bekämpfen, sondern Ursachen und Zusammenhänge prüfen
- Den Hund nicht auf ein Etikett reduzieren
- Gesundheit, Schmerz, Stress, Umfeld und Lernerfahrungen mitdenken
- Sicherheit ernst nehmen, ohne problematisches Verhalten romantisch zu verharmlosen
- Mensch und Hund als gemeinsames System betrachten
- Bewährte praktische Erfahrung mit neuen Erkenntnissen verbinden
- Fachliche Grenzen erkennen und mit geeigneten Fachstellen zusammenarbeiten
Das bedeutet nicht, dass Training unnötig wird, wenn man nur die Ursache findet. Nachhaltige Veränderung braucht häufig beides: eine sorgfältige Einordnung möglicher Ursachen und einen passenden, verantwortungsvollen Umgang mit dem Verhalten.
Der nächste Schritt
Genauer hinschauen,
statt schnell zu urteilen
Mein Ziel ist nicht, für jedes Verhalten eine einfache Erklärung zu liefern. Mein Ziel ist, genauer hinzusehen, die richtigen Fragen zu stellen und Hunde nicht vorschnell auf das zu reduzieren, was gerade sichtbar ist.